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Bestandsrückgang bei Singvogelarten

Der Nabu Waiblingen nimmt Stellung zum Rückgang der Singvogelbestände und den anklagenden Leserbriefen in der WKZ zu diesem Thema:

 

Fakt ist:  die Singvogelbestände gehen in Mitteleuropa zurück. Bei manchen Arten sogar dramatisch.

Zumeist in Leserbriefen wurde dafür in den letzten Wochen hauptsächlich eine Ursache ausgemacht:
Die hohe Anzahl an Elstern. Diese Rabenvögel sind u. A. zwar auch Nesträuber, aber nur weil Rabenvögel an sich schon ein schlechtes Image haben, sollten sie nicht für alles Schlechte verantwortlich gemacht werden. Und irgendwie ist es natürlich auch wieder typisch, wenn einige Menschen sofort nach der dafür vermeintlich verantwortlichen Institution (Nabu, BUND) rufen oder die kurzgedachte, radikale Methode, den Abschuss der Rabenvögel fordern. (Die nennen sich übrigens auch Natur- und Vogelfreunde)

 

Nun aber zu den wirklich nachweisbaren Ursachen des Rückgangs der Singvogelbestände.

Wir müssen uns dabei bewusst machen hierbei als Verursacher immer die Finger mit im Spiel zu haben.

 

·        Der nicht energisch genug bekämpfte Vogelfang und Vogelmord rund ums Mittelmeer. Hier fallen jährlich über 25 Millionen Zugvögel der meist illegalen Jagd zum Opfer. Die mörderischen Spitzenreiter sind Ägypten und Italien. Die Politik ist da gefragt.

·        Der tropische Usutu-Virus und die Vogelgrippe sind bei einigen Vogelarten ein Grund für den Rückgang. Die ernstzunehmende Debatte, in wie weit die Massentierhaltung für manche Krankheiten verantwortlich ist, steht noch am Anfang.  (Wieviel Fleisch essen Sie denn pro Woche und vor allem kaufen Sie das Billige?)

·        Katzen und Vögel sind ein höchst emotional besetztes Thema. Fakt ist aber, das über 8 Millionen Hauskatzen in Deutschland jedes Jahr viele Millionen Singvögel töten. Amerikanische Studien kamen zu dem Ergebnis, dass jedes Jahr in den USA zwischen 1,4 und 3,7 Milliarden Vögel und zwischen 6,9 und 20,7 Milliarden kleine Säugetiere von Katzen getötet werden. Diese Zahlen lassen sich nicht so einfach auf Deutschland übertragen und viele Fachleute gehen bei uns von geringeren Zahlen aus. Doch jährlich 10 bis 20 getötete Vögel sind bei uns pro Katze sicher noch niedrig angesetzt. Das größte Problem für Natur und Vögel ist die zunehmende Zahl von verwilderten Hauskatzen. Allein in Deutschland gibt es schätzungsweise 2 Millionen verwilderte Katzen. Wenn es gelänge, die Bestände verwilderter Hauskatzen zu reduzieren, z.B. durch Kastrationskampagnen, könnte das Problem auf ein erträgliches Maß verringert werden.

·        Auch Eichhörnchen, Marder und Rabenvögel gehen die Gelege von Singvögeln an. Wenn zur Brutzeit Eier und Jungvögel erreichbar sind, nehmen sie auch diese Nahrungsquelle wahr. Doch so hart es klingt: Das ist Natur. Es ist erstaunlich, dass im Zusammenhang mit dem Vogelschutz immer nur das Problem der Rabenvögel heftig diskutiert wird und Hauskatzen, verwilderte Katzen, Eichhörnchen und Marder in der öffentlichen Debatte fast keine Rolle spielen. Das hat möglicherweise auch mit alten Ängsten vor den „schwarzen Vögeln“ zu tun. 

· Vogelschlag im Verkehr an Straßen und Autobahnen wird in der Diskussion um die Windradproblematik oft vernachlässigt. Wer mit dem Auto unterwegs sein muss, der sieht "links und rechts der Autobahn" erschreckend viele tote Vögel, darunter auch viele Greifvögel.

 

 

·        Eine der Hauptursachen im Bereich Artenverluste ist jedoch der Klimawandel. Die globale Erwärmung bedroht laut wissenschaftlichen Studien jede sechste Art.
"Fast 700 Arten von Vögeln und Säugetieren zeigten bereits negative Reaktionen aufgrund höherer Temperaturen und anderer dadurch bedingten Änderungen in den Ökosystemen sowie im langfristigen Wettergeschehen" berichtet die Süddeutsche Zeitung zu Beginn diesen Jahres. Alternative Energien sind eine wirksame Waffe gegen den Klimawandel.

·        Das massive und erschreckende nicht nur bundesweite Insektensterben nimmt Schwalben, Mauerseglern, Fledermäusen und vielen Singvögeln die Nahrungsgrundlage und führt zu einem massiven Rückgang der Populationen. Die Zahl der Insekten hat in manchen Gebieten Deutschlands schon um bis zu 80% abgenommen und das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Vogelwelt. Für eine Vielzahl von Kleinvögeln sind Insekten in der Aufzuchtphase besonders wichtig. Wenn ein wichtiger Teil der Nahrungsgrundlage wegbricht, dann hat das extreme Auswirkungen auf alle Arten am Ende der Nahrungskette. Die Lobbyisten der Agrargift-Industrie haben ein massives und gut organisiertes Interesse daran, dass dies in der Öffentlichkeit nicht zum Thema wird.

·        Der Verlust an Natur und Lebensräumen und die im Rahmen von Globalisierung und Freihandel immer intensiver wirtschaftende Landwirtschaft gefährdet die Vogelwelt besonders stark. Auch unser Drang nach immer mehr Flächenverbrauch durch Siedlungs- und Straßenbau vernichtet wichtige Lebensräume für bedrohte Vogelarten.

 

Temporäre Rückgänge bei einzelnen Arten gab es immer wieder. Wichtig sind die langfristigen Trends und die sind bedrohlich. Nur wissenschaftliche Studien und Forschungen können Auskunft darüber geben, ob sich das langjährige Vogelsterben aktuell beschleunigt.

  

Aber was können wir konkret tun?  

Viele der oben genannten Ursachen können wir beeinflussen.
Durch politisches Engagement können wir dem Vogelmord am Mittelmeer Einhalt gebieten oder Einfluss auf die Agrarpolitik zu nehmen. Sie können sich auch gerne aktiv im Nabu oder BUND einbringen anstatt nur nach dessen Einschreiten rufen.

Jedoch Maßnahmen vor der eigenen Haustüre führen sicher effektiver und schneller zu einem sichtbaren Erfolg.

Ein Hauptgrund für den Schwund der Singvögel liegt daran, dass unsere Gärten immer langweiliger und einförmiger werden. Hierdurch findet ein dramatischer Schwund an Insekten statt. Dabei ist der Trend zu den ökologisch sinnlosen Steinvorgärten zu nennen, welche keinen Lebensraum bieten und ein Aufheizen der Siedlungsräume bewirkt. Lassen sie doch einfach in ihrem Garten eine Ecke brach liegen oder legen Sie eine Insektenwiese mit heimischen Wiesenblumen an.
Der Griff zur Giftspritze in unseren Gärten sollte schon lange tabu sein.
Zudem gibt es im Siedlungsbereich immer weniger Brutmöglichkeiten, die den Buschbrütern  und den Höhlenbrütern auch wirklichen Schutz bieten.  Kirschlorbeer und Scheinzypressen (Thuja) sind dazu nicht in der Lage. Schauen Sie sich in ihrem und den benachbarten Gärten einfach um!
Für künstliche Brutmöglichkeiten finden Sie im Garten, auf dem Balkon oder an ihrer Hauswand sicher einen Platz. 

 

Woanders klappt das nämlich schon: In Schweden gibt es in den Hausgärten viel mehr Elstern als hier, die dort sogar sehr zutraulich sind und dennoch viel mehr Singvögel beherbergen. Es geht also auch anders! Dort legen die Bewohner einfach mehr Wert auf natürliche Gärten und das Schaffen von Nistmöglichkeiten für die heimischen Vogelarten. 

 

Insgesamt ist das Vogelsterben ein komplizierter Sachverhalt, der aber keineswegs mit dem Dezimieren einer Tierart gelöst werden könnte.

 

 


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