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Vogel des Jahres 2017

Der NABU und sein bayerischer Partner, der Landesbund für Vogelschutz (LBV), haben den Waldkauz (Strix aluco) zum „Vogel des Jahres 2017“ gewählt. Auf den Stieglitz, Vogel des Jahres 2016, folgt damit ein Eulenvogel.

 

Der Waldkauz - Steckbrief

Foto: Peter Kuehn NabuSteckbrief

Name: Waldkauz
Lateinischer Name: Strix aluco
Klasse: Vögel
Größe: 30 - 40cm
Gewicht: 300 - 600g
Alter: 12 - 20 Jahre

Foto:  Peter Kuehn Nabu

Aussehen: braun, rötlich oder graues Gefieder
Geschlechtsdimorphismus: Ja
Ernährungstyp: Fleischfresser (carnivor)
Nahrung: Mäuse, Fisch, Frösche, Sperlinge, Wanderratte, Würmer
Verbreitung: Europa, Nordafrika, Vorderasien
ursprüngliche Herkunft: unbekannt
Schlaf-Wach-Rhythmus: nachtaktiv
Lebensraum: Laub- und Mischwald
natürliche Feinde: Marder, Bussard, Habicht
Geschlechtsreife: mit dem zweiten Lebensjahr
Paarungszeit: Februar - März
Brutzeit: 28 Tage
Gelegegröße: 2 - 3 Eier
Sozialverhalten: monogame Vögel
Vom Aussterben bedroht: Ja

Foto:  Dietmar Nill Nabu

Im Herbst und Winter ist der Ruf des Waldkauzes am meisten zu hören, denn dann ist Balzzeit und Partnerwahl. Vor allem mit Jagdkünsten kann das Männchen überzeugen. Während das Weibchen alleine brütet, ist der männliche Waldkauz tapferer Verteidiger der Brut.

Eulen sind bereits im ersten Lebensjahr geschlechtsreif. Ab Herbst erklingt der weithin hörbare, heulende Reviergesang während der Balz: In dieser Zeit wird der Bund eines bestehenden Brutpaares erneuert, das den Sommer über zwar im gleichen Revier, aber eher alleine verbracht hat. Fehlt ein Weibchen, muss das Männchen mit dem Gesang erst einmal eine Partnerin anlocken. Im Spätwinter beginnt die Brutzeit – und damit ein weiterer Höhepunkt der Ruf- und Gesangsaktivität. Durch „kollerndes“ Nestlocken weisen verliebte Käuze der Dame ihres Herzens den Weg zu geeigneten Bruthöhlen. Bei der Balzfütterung präsentieren sie ihre Jagdkünste. Stimmt die Qualität und Menge der Beute und gefällt der Waldkauzdame der Brutplatz, entscheidet sie sich für eine meist lebenslang andauernde, treue Paarbeziehung.

 

Waldkäuze brüten nur einmal jährlich. Legebeginn ist dabei je nach Witterung im Februar oder März. In Städten sind sie früher dran – oft schon im Januar – im Wald dagegen später. Ist das Nahrungsangebot schlecht, kann die Brut in einem Jahr auch ausfallen. Das Weibchen brütet allein. Nur in den Brutpausen und zur Nahrungsübergabe kommt das Männchen hinzu.

Der Waldkauz ist als strenger Wächter seiner Brut bekannt. Kreischend setzt er sich gegen Feinde zur Wehr, seine Gegenwehr erfolgt meist von hinten und ohne Vorwarnung. Lautlos nähert er sich Brutstörern im Flug, streift sie mit den Schwingen oder dem Körper und hinterlässt mit seinen Krallen teilweise blutende Wunden bei seinen Widersachern. Ihre Reviere verteidigen Waldkäuze ebenfalls sehr aggressiv gegen Rivalen – auch gegen andere Eulenarten.

Die Jungen wiegen nach dem Schlupf nur 28 Gramm. Noch blind, können sie sich bereits am zehnten Tag selbst aufsetzen und sechs Tage später stehen. Die Waldkauzmutter bleibt während der Brutzeit fest auf dem Gelege, das in der Regel aus zwei bis vier Eiern besteht, die meist in zweitägigem Abstand gelegt werden. In Ausnahmefällen befinden sich auch mal ein bis sieben Eier im Nest. Die Brut beginnt häufig schon nach der Ablage des ersten Eis und dauert für jedes Ei 28 bis 29 Tage.

Im Alter von etwa einem Monat verlassen die noch nicht flugfähigen Jungen das Nest und sitzen meist – scheinbar verlassen – auf Zweigen in Nestnähe. Sie werden dann Ästlinge genannt und geben ihre Position durch ständige heisere „Kszik“-Rufe kund. Zwei bis drei Wochen später sind sie flugfähig, werden aber erst mit drei Monaten selbstständig. Bis dahin kümmern sich die Eltern weiter um die Jungen. Zu Beginn der Herbstbalz werden sie dann aus dem elterlichen Revier vertrieben und müssen sich ein eigenes suchen. Nur die Hälfte der Jungvögel überlebt das erste Lebensjahr. Einmal erwachsen, können sie in freier Natur bis zu 19 Jahre alt werden.

 

Vogel der Weisheit und Aufklärung. Todesbote und Glücksbringer. Wappenvogel der Heilkunst und Patron der überschwänglichen Trinklust: So vielseitig wie gegensätzlich sind die Bezeichnungen der Eule – und damit auch des Waldkauzes – seit Jahrtausenden. In der Antike galt beispielsweise der Steinkauz als „Vogel der Weisheit“ und war ein ständiger Begleiter der Göttin Athene. Seine stoische Mimik wirkte klug und sorgte für Ehrfurcht unter den Menschen. Im Mittelalter wandelte sich das Bild erheblich: Die Eule wurde zum Botschafter von Unglück und Tod, Helfer Satans oder Verkünder von Seuchen und Depression. Die frühchristliche Enzyklopädie „Physiologus“ diffamiert die Eule gar als Kirchenschänder und das „Öl der Lampe der heiligen Maria“ trinkend.

Dass die meisten Eulen ausgerechnet die Nacht bevorzugen, sahen Abergläubige als Beweis für ihr böses Wesen. Die nächtlichen „Ku-witt“-Rufe des Waldkauzes zum Beispiel wurden als „Komm mit“ interpretiert und kündigten den angeblich baldigen Tod eines nahestehenden Menschen an. Wer diesem drohenden Schicksal entkommen wollte, nagelte eine getötete Eule an das Scheunentor.

Das schlechte Image unseres Jahresvogels und seiner Eulenverwandtschaft hat sich glücklicherweise deutlich verbessert. Faszination für das Tier löste den tief verwurzelten Aberglauben größtenteils ab. Eulen sind heute so beliebt wie nie: als Motiv in Kunst und Literatur, Skulptur in Gärten und
Galerien oder farbenfrohes Maskottchen auf Kinderkleidung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Marcus Bosch Nabu

 

 

Als ausgeprägter Nachtvogel ist der Waldkauz nur selten zu sehen. Mit viel Glück kann man Ihn beim Sonnenbaden in Höhlennähe oder beim Jagdflug in der fortschreitenden Dämmerung zu Gesicht bekommen. Viel wahrscheinlicher aber ist es, dass man in klaren Winternächten seine einprägsamen Lautäußerungen mitbekommt. Diese dienen in Kriminalfilmen gerne als spannungssteigernde Untermalung und sind eigentlich Jedem bekannt. Ein typisches Huu-hu-huhuhuhuu oder ein sehr lautes und scharfes Ku-witt sind seine Markenzeichen.

Der Waldkauz ist in unserer Region die nach dem viel größeren Uhu zweitgrößte Eulenart. Als Freund großer Baumhöhlen ist er ein typischer Waldbewohner, der aber auch gerne Friedhöfe oder Parkanlagen besiedelt, wenn es eben diese Höhlen vorhanden sind. Hier erkennt man wieder einmal die vielfältige Bedeutung alter Bäume.

Waldkäuze sind etwa so groß wie Rabenkrähen und etwa ein Pfund schwer. Das Weibchen ist etwas größer. Schon im zeitigen Frühjahr beginnt die Brutzeit. Im warmen Stadtklima oft schon im Januar. Das Weibchen brütet alleine. Es wird dabei vom Männchen mit Futter versorgt. Das Männchen verteidigt auch den Brutplatz gegen echte und vermeintliche Feinde. Und das ziemlich rigoros. Es schreckt keinesfalls vor handgreiflichen Attacken zurück. Daher ist am Nistplatz Zurückhaltung empfehlenswert. Ansonsten muss man damit rechnen, dass die spitzen Krallen zupacken. Und das immer von hinten. Weil der Anflug völlig lautlos erfolgt, ist das ziemlich überraschend.

Die jungen Käuze begeben sich schon nach vier Wochen auf Wanderschaft in die Umgebung. In dieser Ästlingsphase machen sie sich den Altvögeln durch Rufe erkenntlich und werden dann gefüttert. Aber erst im Herbst vertreiben die Altvögel die Jungen aus dem Revier.

Mäuse bilden die Hauptnahrung der Waldkäuze. Aber auch Ratten und Maulwürfe sind beliebte Beutetiere. Er kann aber auch Vögel jagen oder sogar Höhlenbrüter aus den Nestern angeln. Das ist auch der Grund warum unsere Steinkäuze auf Abstand zum Wald bedacht ist. Bis zu 300 gr. schwere Beute kann er abtransportieren.

Etwa eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang werden die Waldkäuze munter. Sein Revier umfasst je nach Nahrungsangebot etwa 25 bis 30 ha. Als Standvogel bleibt er ein Leben lang seinem Revier treu. Nur die Jungvögel streichen auf der Suche nach einem eigenen Revier weiter umher.

Der Waldkauz ist unsere häufigste Eulenart. In Europa soll es noch zwischen 530.000 und 940.000 Brutpaare geben. In Deutschland brüten nach aktuellen Daten noch zwischen 43.000 und 75.000 Paare.


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